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850 Jahre Bornum am Elm - Rückschau im Jahr 1985

 

Quelle : Festschrift Bornum am Elm 1135 bis 1985

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Eine geschichtliche Rückschau

erstellt von Gerhard Buchheister in Zusammenarbeit mit Altbürgermeister Harald Korn
Bornum im Sommer 1985


Zum Inhaltsverzeichnis “Geschichtliche Rückschau”

 

II. Zur Geschichte der wirtschaftlichen Grundlagen

I. Erwerbsmöglicheiten


Von der Landwirtschaft

Noch bis zu ein bis zwei Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Landwirtschaft durch die Jahrhunderte in Bornum / Elm Haupterwerbsgebiet gewesen. Ein bereits mit dem beginnenden 19. Jh. einsetzender gesellschaftspolitischer und wirtschaftlich-technischer komplexer Veränderungsprozeß  findet aber sehr bald in der Landwirtschaft  seinen Niederschlag und führt zur Ablösung der im Rahmen einer natürlichen Kreislaufwirtschaft im Wesentlichen auf Selbstversorgung zielenden Wirtschaftsführung. Die aus heutiger Sicht sich anschließende, allzu bereitwillige und streckenweise euphorische Hinwendung zu den von rein marktwirtschaftlichen Maximen wie Rentabilität und Mehrwertschöpfung diktierten landwirtschaftlichen Produktionsformen hat besonders in den letzten Jahren eine zunehmende Stagnation erfahren. An ihre Stelle ist mittlerweile in der Landwirtschaft und in weiten Kreisen der Bevölkerung  eine mehr und mehr um sich greifende Welle der Ernüchterung und Betroffenheit getreten, angesichts der Erkenntnis, dass  wir mit der in den letzten Jahrzehnten hier und weltweit verfolgten Wachstumspolitik in der landwirtschaftlichen Produktion nicht nur an die Grenzen der ewigen Fruchtbarkeit unserer Erde gestoßen sind, sondern bei ungezügelter Fortsetzung  einer solchen Politik ihre weitere Existenz überhaupt gefährden. Aber auch die nach einem unerbittlichen wirtschaftlichen Ausleseprozeß verbleibenden 13 „bäuerlichen Industriebetriebe in Bornum befinden sich nach wie vor in einem nunmehr fast „mörderisch“ zu nennenden Existenzkampf, in dem sie durch Erzielung immer höherer Erträge  gegen die stagnierenden Erzeugerpreise zu gewinnen suchen. Sie sind, in einen unauflösbar scheinenden Widerspruch verstrickt, hin- und hergerissen zwischen ihrem Willen und ihrem Recht! Zur Erhaltung ihrer persönlichen Existenz einerseits und ihrer sozialen Verantwortung bei der Bewirtschaftung ihres Landes andererseits. Statt das Übel an der Wurzel zu fassen, vermehrt man es und treibt es fort, um in diesem Teufelskreis zu überleben. Solcher ist: solche Produktionsformen können nicht grenzenlos und um jeden Preis weiterbetrieben werden. Die Natur wird uns zwingen, auf sie, d.h. auf ihre Bedingungen einzugehen oder aber uns scheitern lassen. – Die Natur lässt nicht mit sich diskutieren.

Der hier in großen Zügen dargestellte Entwicklungsverlauf in der Landwirtschaft in den letzten zwei Jahrhunderten soll mit dem Einbringen detaillierter geschichtlicher Belege speziell für die Verhältnisse in der gemeinde Bornum auf den folgenden Seiten nachvollziehbar werden.

Rechnet man die Zahl der zu verschiedenen Zeiten in Bornum bewirtschafteten Bauernhöfe mit samt ihren Familienangehörigen, Mägden und Ackergehilfen gegen die Zahlen der jeweils vorhandenen Gesamtbevölkerung hoch ( Vgl. Kap. I ),  so wird deutlich, dass die Landwirtschaft lange Zeit fast ausschließlich und noch bis in das 20. Jh. hinein zumindest überwiegende Existenzgrundlage der Bewohner unserer Gemeinde gewesen sein muß.

Bauern in Bornum / Elm

1561   11  Ackermänner,  20 Kotassen
1589    5   Ackermänner,  59 Halbspänner
1678    5  Ackermänner,  6 Halbspänner, 27 Kotassen und 1 wüsterHof,
          22 Kleinkotassen und 4 wüste Höfe


1761    5  Ackermänner,  7 Halbspänner, 24 Großkotassen, 12 Kleinkotassen, 28 Brinksitzer
                und zwei halbe Brinkhöfe
1798    4  Ackermänner,  7 Halbspänner, 20 Großkotassen, 12 Kleinkotassen, 31 Brinksitzer
1960   35 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe
1985   13 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe

Die Größe der landwirtschaftlich nutzbaren Acker- und Wiesenflächen in der Gemarkung Bornum war:

1762   3819 Morgen Ländereien und 325 Morgen 72 Ruten Wiesenwuchs
1860     886 Hektar Ländereien
1942   1173 Hektar Ländereien

Jeweils ein Angehöriger der vier hauptsächlich im Jahre 1761 im Bauernstande unseres Dorfes vertretenen Gruppen soll hier nachfolgend für alle anderen in seiner wirtschaftlichen und sozialen Lage, d.h. eingebettet in die Bedingungen der Dreifelderwirtschaft und Grundherrschaft, vorgestellt werden.

Der Ackermann:
Heinrich Kirchhof war 1761 Besitzer eines Ackerhofes und in der Brandversicherungsgesellschaft unter der Nr. 8 catastriert. Die Hofstelle inclusive Gebäude hält 50 Ruten. Ein Garten bei dem Haus hält 100 Ruten. An Ländereien waren vorhanden 75 Morgen 79 Ruten und an Wiesen 4 Morgen 8 Ruten.

An Vieh: Pferde 5, Kühe 3, Rinder 3, Schweine 4, Schafe 18.

An Diensten hatte er jährlich zu leisten: 4 Gespanne zur Verfügung stellen, um der Herrschaft und den Bauern das Holz aus dem Elme anzufahren Außerdem noch einen Tag mit der Hand und dem Gespann beim fürstlichen Vorwerk Schickelsheim.

An Herschaftsgefällen waren zu entrichten: Contribution monatlich zwei Taler 17 Ggr. Und 4 Pf., Landschatz jährlich 3 Taler 17 Ggr. Und 9 Pf., Proviantkorn 5 Taler 17 Ggr. Und 6 Pf., zum Küchentermin jährlich 2 Hühner und 36 Eier.

Der Kornzehnte war an das Kloster in Königslutter zu entrichten, ebenfalls der Fleischzehnte. Der Gutsherr und das Convictorium in Helmstadt bekamen jährlich 2 Taler 17 Ggr. An Erbenzins.

Sämtliche Gebäude waren mit Stroh gedeckt und insgesamt mit 875 Talern versichert.


Der Halbspänner:
Jacob Fricke war Besitzer eines Halbspännerhofes und Mitglied der Brandversicherungsgesellschaft, wo seine Gebäude mit 450 Talern angeschlagen waren. Der Hof maß Ruten und der dezugehörige Garten 125 Ruten. Er war im Besitz von 63 Morgen  5 Ruten Ländereien und 9 Morgen 105 Ruten Wiesenland.

An Vieh: Pferde 4, Kühe 2, Schweine 1, Schafe 12

Seine Dienste waren folgende: Jährlich 3 Erntetage mit der Hand nach Schickelsheim und dazu  ein Wachtetag.


An Herrschaftsgefälligen: Contribution 1 Taler 21 Ggr. Und 7 Pf. monatlich, Landschaft jährlich 2 Taler  11Ggr. Und 6 Pf.,   Kornproviant 5 Taler 7Ggr. Und 6 Pf., zum Küchentermin 1 Rauchhuhn. Der Korn- und Fleischzehnte ging an das Kloster in Königslutter. Der Gutsherr und die Herren von Strombeck  bekamen jährlich 5 Taler Meyerzins und das fürstliche Amt 15 Ggr. Hauszins.

Der Großkotsaß:
Christian Buchheister hatte seinen Großkothof in der Brandversicherungsgesellschaft mit 500 Talern versichert und unter der Ass. Nr. 22 catrastieren lassen.  Ein Garten bei dem Hof maß 39 Ruten, die Hofstelle inclusive Gebäude hielt eine  Fläche von 30 Ruten. An Ländereien waren damals vorhanden 25 Morgen 32 Ruten Erbenzinsland, ebenso 4 Morgen 42 Ruten Wiesenland. Der Viehbestand im Jahr 1761  war dieser: Pferde 3, Kühe 2, Schweine 3, Schafe 8.

Folgende Dienst waren zu leisten: ein Erntetag mit der Hand und ein Wachtetag beim fürstlichen Vorwerk Schickelskeim. An Herschaftsgefällen: Contribution monatlich  1 Taler 18 Ggr. 1 Pf. , an Landschatz jährlich  4 Taler. 1 Ggr. 2 f. und zum Küchentermin war ein Rauchhuhn zu liefern. Der Gutsherr von Weferling und die Kirche erhielten  30 Martengroschen im Jahr. Sämtliche Gebäude waren mit Stroh gedeckt.

Der Brinksitzer
Hans Heinrich Ullrich besaß einen Hof, dessen Gebäude sämtlich mit Stroh gedeckt in der Brandversicherungsgesellschaft  mit 175 Talern veranschlagt waren. Hof und Garten maßen zusammen 56 Ruten. An Erbenzinsland hatte er 119 Ruten  und 66 Ruten Wiese.

An Vieh war vorhanden eine Kuh und ein Schwein. Dienste hatte er keine zu leisten. Die monatliche Contribution  betrug 13 Mariengroschen und 12 Pf.., der Landschatz jährlich  10 Mgr. Und 12 Pf., Proviantkorn 1 Taler 4 Ggr. Und 4 Pf., zum Küchentermin 1 Rauchhuhn.  Der Kornzehnte kam an das Kloster in Königslutter und der Fleischzehnte an den Gutsherrn von Weferling.

Nachdem es bereits 1832 bezüglich der Militär- und Zivilbeamtenstellungen, wie auch der Gerichtsbarkeit zur Gleichstellung unserer Bauern mit allen übrigen Bürgen gekommen war, wurden kurz darauf 1834 alle Dienste und Zehnten durch einmalke Zahlung einer festgesetzten Summe für finanziell ablösbar erklärt, und somit jeder Bauernhof nach erfolgter Ablösung als von der Gutsherrschaft entbunden zu betrachten war. Bis zu diesem Zeitpunkt aber hatten Bornumer Einwohner mit mehr als einem Morgen Ländereien Abgaben und Dienste zu leisten,. Von allem Geernteten und sonst Erzeugten  mußte der zehnte Teil abgegeben werden.  Da das Gut in Bornum meist genug eigene Vorräte hatte, wurden die zu leistenden Naturalien  oft in Geld umgerechnet, was den in erster Line auf bloße Eigenbedarfsdeckung hin wirtschaftenden und weniger mit ihren Produkten Handel treibenden  Bauern sehr schwer gefallen sein muß. So mußte man 1798 für neu hinzugeborenes lebendes Inventar entrichten:

Für jedes Pfohlen 4 Pf., jedes Kalb 4 Pf., jedes Lamm 9 Pf., jede Sau die wirft 2 Mgr. und für jede Gans 2 Mgr. Wurden mehrere Gänse gehalten, , so kam die 10 Gans zum Adelshauf, ebenso das Rauchhuhn.  Wurde dieses statt des „Hühnergeldes“ lebend gebracht, so mußte es groß und kräftig genug sein, um selbst aus einem Scheffel herausspringen zu können. Wenn heute noch jemand als wie „ein tinshahn“ herumspringend bezeichnet wird, so geht die niederdeutsche Redewendung auf diese wohl älteste Abgabeform zurück.

Diese Herrschaftsgefälle wurden insgesamt von Bornum für das Jahr 1761 entrichtet :

An Contrib. Mon. 89 Taler 16 Ggr und 6 Pf        1077 Tal. , 18 Ggr.

Landschatz jährl.   1077 Tal.  8 Ggr., 9 Pf.

Korngeld betrug  194 Tal. 8 Ggr, 2 Pf.

Haferproviant    48 Tal

Küchentermin mit 10 Talern oder in Nat. gelief.  5 Kälb., 3 Lämm. , 750 Eier, 40 Hühn.

Rauchgut 36 Gäns. 68 Hühn.

Eier an das Amt: 30

S.S.: 1420 Taler, 19 Ggr.,  11 Pf., 5 Kälb., 3 Lämm., 36 Gäns., 780 Eier, 108 Hühner

Hand in Hand mit der gesellschaftspolitisch wirksamen Maßnahme der Bauernbefreiung  gin eine zweite 1835 begonnene und die erste ergänzende agrarstrukturelle Maßnahme: die Separation. Sie stellte eine Flurbereinigung im Sinne der Zusammenlegung kleinerer Felder zu größeren Ackerstücken  dar und hatte die Abschaffung der  alten Dreifelderwirtschaft zur Folge. Ursprünglich war sie hier in Bornum wie auch anderswo bei den Bauern wegen befürchteter Benachteiligungen bei der völligen Neuzuteilung des Ackerlandes  auf erbitterten Widerstand gestoßen. Lagen die fertig ausgearbeiteten Recesse nach jahrelangen Schreibereien und Vermessungen dem Bauern abschließend  für seine Einwilligung zur Unterschrift vor, so ließ mancher von ihnen erst einmal in stoischer Ungerührtheit an die Behörden zurückgehen  mit der kurzen aber deutlichen Erklärung: „Ick unterschriwe nich!“

Da man aber zu erkennen begann, dass die Neuorganisation  der Flur dem einzelnen Bauern  unabhängig von anderen völlig neue Bewirtschaftungsmöglichkeiten eröffnete und überdies seinen Ertrag und damit seinen Wohlstand vermehren konnte, waren die anfänglichen Widerstände doch recht bald gewichen. Ein noch nie dagewesener Aufschwung  in der Ackerbewirtschaftung und der Viehhaltung war damit eingeleitet worden, fortwährend bis heute begleitet von einer Fülle wissenschaftlich-technischer Veränderungen, von denen hie nur einige beispielhaft für alle genannt werden können: 1928 gelingt Wöhler in Deutschland erstmals die sythetische Herstellung einer organischen Substanz : der Harnstoff. Sie bildete damals mit die wissenschaftliche Ausgangslage  für die spätere Entwicklung zahlreicher Kunststoffdüngersorten bei einer erheblich ertragssteigernden künstlichen Bodendüngung. Der aus Schöppenstedt stammende und 1769 bis 1789 als Stadtphysikus  praktizierende Arzt  Dr. med. Joh. Julius Wilhelm Dedekind hat sich bereits 1787 als Entdecker einer für die Zuckergewinnung ergiebigsten Rübensorte angemeldet: der weißen   Runkelrübe. 1799 allerdings nimmt dieses Recht Franz Karl Achard aus Berlin für sich nachträglich in Anspruch. Begünstigt durch die geeigneten Bodenverhältnisse in unserer Umgebung  und die allgemeine Hochstimmung  während der Gründerjahre entwickelt sich der Zuckerrübenanbau in unserem und anderen Dörfern des Braunschweiger Landes  zur Quelle eines neuen und in diesem Maße bisher von den Bauern nicht erfahrenen Wohlstandes. Mit dem Wohlstand zieht aber auch in der 2. Hälfte des 19. Jh. das Verlangen nach einer bürgerlichen städtischen Lebensführung verstärkt in unsere bäuerlichen Familien ein. So gerät die bisher wirtschaftlich und kulturell regionaltypisch bestimmte  bäuerliche Lebensweise und der über Jahrhunderte
durch sie geprägte Bauer unserer näheren Heimat  in dem Maße zur Zefallsgestalt, als man diesem Verlangen  nach einer neuen Lebensgestaltung  nach Maßgabe des bereits eingetretenen Wohlstandes und Fortschritts nachgibt. Diese  Veränderungen bringen einen Bauern neuen Schlages hervor, der oft aufgestattet mit allen Zügen des Neureichen, sich eher den Anstrich eines Unternehmers  und Großgrundbesitzers als den eines ostfälischen Bauern  zu geben sucht und damals gemeinhin mit der Bezeichnung „Rübenbaron“ als Typus treffend charakterisiert ist. Bauten des städtischen Bürgertums  im Stil der Gründerzeit wurden damals  von Leuten dieses Schlages ohne Rücksicht auf Bestehendes auch in das Dorf Bornum hineingepflanzt und sind uns bis heute als Zeugen dieser längst verblichenen Epoche erhalten geblieben.

Doch wäre insgesamt der rationelle , gewinnbringendere Zuckerrübenanbau ohne die damals schrittweise  bei der Landbestellung zum Einsatz kommenden neuen landwirtschaftlichen Maschinen gar nicht denkbar gewesen. In diesem Zusammenhang sei an den Erfinder der Drillmaschine , Kantor Ludwig Lüders aus Leiderde erinnert, ater des Ehrenbürgers der Stadt Königslutter, Kantor Adolf Lüders. Lüders verkaufte das ihm das für seine Erfindung um 1860 ausgestellte und auf 10 Jahre befristete Patent später an die Hecknersche Maschinenfabrik in Braunschweig , welche alsbald die Serienfabrikation der Drillmaschine aufnahm. Erstaunlich und zugleich Beleg für die Leistungsfähigkeit  des in Bornum / Elm ansässigen Handwerks ist der für das Jahr 1900 belegbare Auftrag von Heinrich Buchheister /Ass. Nr. 23) zur Anfertigung einer 2 Meter breiten Löffeldrillmaschine durch den hiesigen Schmiedemeister  Karl Stege. Sie kostete 400 Mark und soll insgesamt gut gearbeitet haben.

1893 bildete sich in Bornum die erste Dreschmaschinengemeinschaft. Mit der Anschaffung dieser mit Lokmobile und Strohpresse ausgerüsteten Dreschmaschine entfiel im Winter das langwierige Ausdreschen des Getreides mit dem Flegel.

Wahre Pionierarbeit  mußte seit Ende des letzten Jahrhunderts  in der „Bornumer Aue“ nach Scheppau hin geleistet worden sein.  Durch das Verlegen umfangreicher Dränagesysteme  konnten die ehemals feuchten Wissen umgebrochen und fortan als Ackerland genutzt werden.

Bereits mit dem Beginn der Separation setzet ein Rückgang im Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften ein.  Durch Einführung der Stallfütterung  und vermehrte Futterkräutererzeugung  waren die Hirten zumeist entbehrlich geworden. Mit der zunehmenden Hinwendung  zur maschinellen Bewirtschaftung des Ackerbodens werden aber auch immer mehr Arbeitskräfte in der Landwirtschaft freigesetzt. Eine Entwicklung, die schließlich heute  in landwirtschaftlichen Ein-Mann-Betrieben gipfelt, deren Besitzer mehr als kleine Industriekapitäne  denn als Landwirte auf ihren Feldern schalten und walten.

Unterbrochen wurde diese Entwicklung lediglich noch einmal in unserem Dorfe in der Zeit des Nationalsozialismus. Zur Sicherung einer autarken Ernährungsversorgung wurden die  Arbeitsämter sogar angewiesen, landwirtschaftlichen Arbeitskräften  die Arbeitsaufnahme  und Abwanderung in lukrativere Industriebetriebe der Städte zu verweigern.

Der Gedanke von einer autarken Landwirtschaft sicherte die nationalsozialistische Agrargesetzgebung im wesentlichen durch zwei Gesetze ab. Nach Inkrafttreten des Reichserbhofgesetzes im Jahre 1933 war der Erbhof grundsätzlich unveräußerlich und unbelastbar. Die Grenze der Belastbarkeit mußte nach dem festgestellten Einheitswert bemessen werden.  Ergänzend dazu trat 1934  das Gesetz zur landwirtschaftlichen Entschuldung  der Erbhöfe in Kraft. Wenige Jahre nach dem 2. Weltkriege  haben diese Gesetze für die Landwirtschaft  wieder ihre Gültigkeit verloren. De Einheitswert ist heute nur
noch als  steuerliche Bemessungsgrundlage von Bedeutung.

Die durchschnittlichen Ernteerträge im Jahre 1761 bzw. 1984 in der Gemerkung Bornum lassen in einer Gegenüberstellung  neben den beschriebenen qualitativen qualitativen Veränderungen auch noch die  quantitativen Verschiebungen in der Landwirtschaft  der letzten zwei Jahrhunderte deutlich hervortreten. .

Bei einer durchschnittlichen Ernte war bei den  verschiedenen Feldfrüchten  folgender Ernteertrag  im Jahre 1761 zu erzielen: pro Morgen.

Aussaat / Ernte

Weizen  2 Himpten    / 3 Stiegen  a Stiege 5 Himpten
Roggen  2 Himpten   / 3 Stiegen   a Stiege 5 Himpten
Gerste    2 Himpten  /  3 Stiegen  a Stiege 6 Himpten
Hafer     2 Himpten  /  3 Stiegen  a Stiege 8 Himpten
Erbsen  1,5 Himpten  /  4,5 Stiegen  a Stiege 4 Himpten
Bohnen  2 Himpten    / 4,5 Stiegen  / a Stiege 4 Himpten

dagegen erntete man durchschnittlich in Bornum 1984 auf einen Morgen:

Ernte

Winterweizen    30 Zentner
Sommerweizen 25 Zentner
Wintergerste  28 Zentner
Sommergerste  23 Zentner
Hafer 22 Zentner
Zuckerrüben 190 Zentner

Um allgemeinverständlich zu bleiben, ist hier an dieser Stelle eine Erklärung heute nicht mehr gebräuchlicher Bezeichnungen und Abkürzungen erforderlich.

Ackermann – Bauer mit etwa 120 Morgen Ackerland und 4 Pferden

Brinksitzer – Oft Handwerker, die im Dorfe ein Haus ohne oder nur mit geringem Grundbesitz ihr Eigentum nannten

Ggr - Gutegroschen, eine Währungseinheit, die bis ins 19. Jh. hier als Zahlungsmittel galt

Halbspänner – Bauer mit etwa 60 Morgen Ackerland und 2 – 3 Pferden

Himpten – entspricht 15,62 kg

Hufe – entspricht 30 Morgen oder 7,5 Hektar Ackerfläche

Klafter – entspricht 3,59 m³

Kotsasse – Bauer mit etwa 30 Morgen Ackerland und 2 Pferden

Mgr – Mariengroschen


Rute – Eine Braunschweiger Rute  entspricht einer Länge von 4,5658 Metern. Eine Quadratrute entspricht einer Fläche von 20,8456 Quadratmetern. 120 Quadratruten entsprechen einem Feldmorgen mit 2502 m² . 160 Quadratruten entsprechen einem Waldmorgen mit 3335 m² .

Scheffel – Entspricht 2 Himpten oder 31,24 kg

Schock – Entspricht 5 Dutzend oder 60 Stück einer zählbaren Menge.

Quelle: Festschrift 1135 – 1985 Bornum am Elm

 

 

 

 

 

 

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